• Your current position:
  • Über Uns >
  • Leitbild & Motivation

Seite drucken. Seite weiterempfehlen.

Leitbild

Die Entwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften hat stark ausgeprägte Spezialisierungen in Bezug auf Raum, Zeit und Medien mit sich gebracht. Dadurch haben sich unsere Möglichkeiten des Umgangs mit originalsprachlichen Quellen deutlich verbessert. Allerdings ergeben sich in diesem Zusammenhang über geographische, historische und mediale Grenzen hinweg auch zahlreiche Probleme, so dass die traditionellen, auf Territorium, Sprache, Ethnizität und Nation beruhenden Kulturkonzepte nicht mehr zur Erklärung der spezifischen Komplexität, Hybridität und Diversität von Bevölkerungsgruppen und ihren Austauschprozessen ausreichen.

Verflechtung kultureller Austauschprozesse verstehen  

Kulturelle Austauschprozesse und ihre Verflechtungen werden heutzutage immer offensichtlicher und durch neue Medien und Transportsysteme weiter beschleunigt. Der Cluster möchte aufzeigen, dass diese Prozesse jedoch bereits in der Vergangenheit, im Alten Orient, im Mittelalter und auch auf vielen Ebenen unter der sichtbaren Oberfläche stattgefunden haben. Zentrale Begriffe wie „Europa“, „Antike“ oder „Buddhismus“ sind nur dann aussagekräftig, wenn auch die langfristigen und großräumigen kulturellen Vermischungen Berücksichtigung finden, die Menschen als Träger von Praktiken, Konzepten und Institutionen auf ihren Wanderungen bewirken.

Eurozentrische Asymmetrien überwinden

Zudem war die „akademische Ordnung der Dinge“ lange Zeit von einer eurozentrischen Asymmetrie gekennzeichnet. Der Westen stellte dem Rest der Welt das analytische Instrumentarium sowie die zentralen Begriffe und Methoden zur Verfügung. Und es war der Westen, der die akademischen Fächer, wie z.B. Geschichte, Kunstgeschichte, Ethnologie oder Indologie, die zumeist im 19. Jahrhundert eingerichtet wurden, definierte. Während Europa sich im 18. Jahrhundert noch mit anderen Kulturen verglichen hatte, betrachtete es sich ab dem 19. Jahrhundert als unvergleichlich. Wer damals über indische oder chinesische Geschichte oder Philosophie schrieb, befasste sich nicht mit Geschichte oder Philosophie per se, sondern mit indischer Tradition oder chinesischer Weisheit. Diese Verengung des Blickwinkels führte dazu, dass bestimmte Kulturen und wissenschaftliche Forschungen regionalisiert, provinzialisiert, ja sogar gettoisiert wurden.   

Globale Ansätze für globale Herausforderungen  

Auch wenn die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, globaler Natur sind, gehen wir noch nicht entsprechend mit ihnen um. Unserer Überzeugung nach werden wir die vordringlichen Aufgaben, vor die uns unser globalisiertes Zeitalter mit seinen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Asymmetrien stellt, erst dann besser verstehen, wenn wir den Aspekt der Transkulturalität in den Brennpunkt rücken. Außerdem glauben wir, dass dieser Ansatz es den Geisteswissenschaften ermöglicht, wieder das zu leisten, was ihr größtes Potenzial darstellt – nämlich in der Welt, der neuen wie der alten, eine kritische Orientierungshilfe zu bieten.   

Deshalb sind die Hauptziele des Clusters:

 

  1. die Schaffung eines Rahmens, in dem ein transkultureller Ansatz mit globaler Perspektive im Mittelpunkt steht und nicht nur am Rande diskutiert wird,
  2. das Aufzeigen und Fördern einer zeitgemäßen strukturellen Neuordnung der geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen,
  3. die Erforschung des Globalen, das als eigenständige Größe, und nicht mehr nur als Summe von Territorien oder Nationalstaaten begriffen wird,
  4. die Entwicklung von Methodologien und neuen Möglichkeiten zur Verknüpfung, Integration und Interpretation der zahlreichen textlichen, visuellen und auditiven Quellen, die es in diesem Zusammenhang zu validieren gilt.
  5. Zu guter Letzt soll im Rahmen des Clusters zusammen mit Asiaten/innen, und nicht nur über Asien geforscht werden.
Suche