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Konferenzbericht
„Wissen auf Wanderschaft“
Summer School 2010 des Exzellenzclusters „Asien und Europa im globalen Kontext“ an der Universität Heidelberg
25. - 29. Juli 2010, Heidelberg
„Wissen auf Wanderschaft“ lautete das Thema einer Summer School, die der Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ der Universität Heidelberg von 25. bis 29. Juli 2010 veranstaltete. Etwa 30 Nachwuchswissenschaftler aus 15 Ländern diskutierten über die vielfältigen Begegnungen zwischen europäischem und asiatischem Wissen seit der Frühen Neuzeit.
„Der globale Wissensaustausch ist keineswegs ein rein modernes oder gar postmodernes Phänomen. Wanderungen von Wissen haben zu allen Zeiten und in allen Weltgegenden eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Wissenskulturen gespielt“, führte der Organisator der Summer School, Prof. Dr. Joachim Kurtz, in das Thema ein. So war eine der zentralen Fragen der Summer School, wie sich das Wissen auf seinem Weg durch die verschiedenen Regionen, Kulturen und politischen Gemeinschaften veränderte.
Den Eröffnungsvortrag hielt Rivka Feldhay (Tel Aviv University) über den Wissensaustausch zwischen Russland und Israel. Sie erläuterte die Ausbreitung von Ideen der russischen Intelligentsia in Israel durch Literatur, Musik und andere Kulturgüter. Zwei weitere Vorträge am ersten Tag behandelten die „Verortung des Wissens“. Dhruv Raina (Jawaharlal Nehru University, Neu Delhi) sprach über den Dialog zwischen französischen Missionaren und indischen Astronomen. Henrique Leitao (University of Lisbon) befasste sich mit dem vergessenen Einfluss von den Kenntnissen, die durch die globale Expansion der portugiesischen Handelsschifffahrt nach Europa gelangten, auf die so genannte „wissenschaftliche Revolution“.
Am zweiten Tag beleuchteten die Wissenschaftler zum einen die „Agenten“ und zum anderen die „Medien“, die bei der Verbreitung von Wissen eine Rolle spielen. Dagmar Schäfer (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin) sprach über unterschiedliche Kommunikationsmethoden in Asien und Europa und Marcus Popplow (TU Berlin) über die Verbreitung von technischem Wissen, insbesondere mithilfe von Zeichnungen und Modellen. Später referierte Yu Li (Williams College, Williamstown) über gedruckte Medien und die vielfältigen Formen der Wissensvermittlung durch Bücher. Auch Roland Wenzlhuemer (Universität Heidelberg) betonte das Zusammenspiel von Wissen, Information und Technologie. Er erklärte dieses Phänomen anhand der telegraphischen Informationsflüsse im 19. Jahrhundert.
Am dritten Tag stand die Rezeption von Wissen im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Übersetzung und Domestikation“ fragte Benjamin Zachariah (Zentrum Moderner Orient, Berlin), wie man die Wege von Ideen über Sprachen und Kontinente verfolgen könne. Und Joachim Kurtz (Universität Heidelberg) beschrieb, wie europäische Philosophie in Ostasien adaptiert wurde. Dabei erläuterte er unter anderem, wie in diesem Prozess Übersetzungen strategisch eingesetzt wurden, um außerphilosophische Interessen durchzusetzen.
Ein besonderes Angebot war der Kurs „Digitale Erzählformen in der Wissensgeschichte“. Darin wurden neue Methoden der Präsentation von Wissenschaft und Philosophie mit Hilfe digitaler Erzähltechniken wie Podcasts und Kurzfilmen vorgestellt. Grace Yen Shen (York University, Toronto) illustrierte anhand eines Tanzvideos, wie sich Kunst und Wissenschaft ergänzen können. Hugh Shapiro (University of Nevada, Reno) forderte gar die Einbeziehung von Kurzfilmen bei der Präsentation von Forschungsergebnissen.
Zum Abschluss der Summer School wurde den Teilnehmern eine Gruppenaufgabe gestellt, in der sie ihre eigenen Forschungsvorhaben unter dem Aspekt der Mobilität von Wissen überdenken sollten. Die Darstellungsform der Ergebnisse war den Studierenden freigestellt. Eine Gruppe entschied sich, eine Performance aufzuführen, in der die verschiedenen Kräfte, die Wissen in Bewegung versetzen, künstlerisch dargestellt wurden. Der Beitrag war ein gelungenes Beispiel für eine neue Form wissenschaftlicher Präsentation.
Die Summer School „Wissen auf Wanderschaft“ stieß bei den Teilnehmern durchweg auf positive Resonanz. Besonders schätzten sie, dass die Referenten so unterschiedliche Disziplinen und Sichtweisen vertraten. Auch die Organisatoren waren mit der Summer School zufrieden. So sagte Prof. Dr. Joachim Kurtz zum Abschluss: „Wir sind hocherfreut über die hohe Anzahl an jungen und begabten Teilnehmern aus so vielen Ländern. Unsere Diskussionen hatten durchgehend ein hohes Niveau und eröffneten jedem von uns neue Perspektiven.”
Die nächste Summer School des Exzellenzclusters findet im Sommer 2011 statt und wird den Austausch von wirtschaftlichen Konzepten zwischen den Kulturen behandeln.
Weitere Informationen über den Exzellenzcluster „Asien und Europa im globalen Kontext“ sind im Internet unter www.asia-europe.uni-heidelberg.de abrufbar.
Text: Verena Vöckel
