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Mc8.2 Innovationsbewältigung

Innovationsbewältigung – Bronzezeitliche Verflechtungen zwischen Asien und Europa

Koordination: Philipp W. Stockhammer

Zusammenfassung

Die Erfindung des Bronzegusses wurde im späten 3. und frühen 2. Jahrtausend v. Chr. in Mitteleuropa eingeführt und kurze Zeit später ebenfalls in China (Linduff 2004). Im Nahen Osten hatte man schon im 3. Jahrtausend mit dem Legieren von Kupfer und Zinn begonnen und ausgefeilte Gusstechniken entwickelt. Während der frühen Bronzezeit waren alle drei Regionen in weitreichende Netzwerke integriert, die die weltweit räumlich stark begrenzten Zinnvorkommen mit sich brachten. Gleichzeitig mit der Einführung des Bronzegusses fanden in allen drei Regionen hochinteressante gesellschaftliche Transformationen statt: Im späten 3. und frühen 2. Jahrtausend verstärkten sich Asymmetrien der Machtverteilung innerhalb der Gesellschaften Mitteleuropas, worauf insbesondere das plötzliche Auftreten von Prunkgräbern hindeutet. Zugleich wurden Strategien entwickelt, um die angeeignete Innovation auch ideologisch zu bewältigen. In Mitteleuropa zeigen sich diese etwa im plötzlichen Auftreten von Hortfunden, von denen jeder eine große Zahl oft gussfrischer Bronzen identischer Form enthält. In West- und Zentralchina manifestieren sich diese Strategien in der Deponierung einer großen Zahl annähernd identischer, schwerer Bronzegefäße und in Horten mit einer Vielzahl an Bronzen, darunter auch überdimensionierte Bronzemasken mit vermutlich ritueller Funktion. Als dritter Aspekt ist die Ausstattung von Prunkgräbern und Horten in Mitteleuropa und China mit einer großen Anzahl von Waffen bzw. sogenannten Prunkwaffen oder Zeremonialwaffen zu nennen. Zur selben Zeit wurden auch männliche Prunkgräber im Nahen Osten mit einer auffallend großen Zahl identischer Waffen ausgestattet. Das Auftreten dieser Phänomene wurden in den einzelnen Regionen bereits in unterschiedlicher Intensität beleuchtet (für Mitteleuropa etwa: Hansen 2002), aber bislang kaum aus transkultureller Perspektive als das Ergebnis verflochtenen Wissens analysiert.

HANSEN, S. 2002: “Überausstattungen” in Gräbern und Horten der Frühbronzezeit. In: J. Müller (ed.), Vom Endneolithikum zur Frühbronzezeit: Muster sozialen Wandels?, Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 90. Bonn: Habelt, pp. 151-173.

LINDUFF, K.M. (ed.) 2004: Metallurgy in Ancient Eastern Eurasia from the Urals to the Yellow River, Chinese Studies 31. Lewiston, Queenston and Lampeter: Edwin Mellen Press, 2004.