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MC8: Innovationsaneignung

Innovationsaneignung: Verflechtungen von Wissen im spätneolithischen und frühbronzezeitlichen Eurasien

Koordination: Joseph Maran

Zusammenfassung

Wenn man die Mechanismen und Rhythmen langfristiger kultureller Entwicklungen ur- und frühgeschichtlicher Gesellschaften in den letzten 12.000 Jahren verstehen möchte, ist es notwendig, die Rolle technologischer Innovationen zu beleuchten. Es besteht kein Zweifel, dass die Sesshaftwerdung des Menschen und der Beginn von Ackerbau und Viehzucht im frühen Holozän eine ungeheure Beschleunigung der menschlichen Entwicklung zur Folge hatten. Diese Entwicklung – und damit auch die mit ihr verbundenen Prozesse des Wandels – wurden jedoch stets als graduell und linear angesehen. Bereits in den 1920er Jahren formulierte Vere Gordon Childe (1925; 1929) eine Gegenposition, indem er betonte, dass technologische und wirtschaftliche Innovationen in Kombination mit menschlicher Mobilität und interkultureller Kommunikation zwischen Gesellschaften Asiens und Europas Perioden der Transformation hervorgerufen hätten, deren Ergebnisse “revolutionär” gewesen seien. Ganz zu Recht kritisierte man Childe daraufhin für seinen Glauben an zielgerichtete Prozesse und seine allzu vereinfachte Vorstellung von Diffussion als gleichsam natürlicher Kraft, die sich ausgehend von einigen wenigen „zivilisatorischen Kernlandschaften“ im Nahen Osten und Ägypten in die „Peripherien“ verbreitet habe. Nichtsdestoweniger waren seine Ansätze bahnbrechend, weil sie gesellschaftlichen Wandel in Zusammenhang mit interkultureller Interaktion und technologischer Innovation brachten. In unserem Projekt sollen zwei entscheidende technologische Innovationen, die den Lauf der Geschichte Eurasiens entscheidend geprägt haben, näher betrachtet werden, nämlich die sogenannte „Secondary Products Revolution“ im 4. Jahrtausend v. Chr. und die Verbreitung der Bronzegusstechnologie in den darauffolgenden Jahrtausenden. Unserer Meinung nach konnte Childe das transformative Potential von Innovationen deshalb nicht hinreichend erfassen, weil ihm ein Konzept der Interkulturalität fehlte und weil ihn der eigentliche soziale Kontext der Aneignung von technologischen Neuerungen nicht wirklich interessierte. Der methodische Ansatz unserer interdisziplinären Forschungsgruppe beruht auf der Verbindung eines von der Forschung zu Materialiät und der Akteur-Netzwerk-Theorie (Law 1986; 1992; Latour 2007) inspirierten Ansatzes mit einem Rahmen, der Transkulturalität als Fokus und Strategie der Forschung begreift. Wir analysieren, wie die Einführung neuer Technologien (Tierhaltung, Bronzeguss etc.) bestehende Wirtschaftssysteme und die ihnen zugrunde liegenden sozialen Ordnungen transformierte.

CHILDE, V.G. 1925: The Dawn of European Civilization. London: K. Paul.
CHILDE, V.G. 1929: The Danube in Prehistory. London: K. Paul.
LATOUR, B. 2007: Reassembling the Social: An Introduction to Actor-Network-Theory. Oxford: University Press.
LAW, J. (ed.) 1986: Power, Action and Belief: A New Sociology of Knowledge? Sociological Review Monograph 32. London, Boston and Henley: Routledge.
LAW, J. 1992: Notes on the Theory of the Actor-Network: Ordering, Strategy and Heterogeneity. Systems Practice 5, pp. 379-393.

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