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Wissensgeschichte - Forschung

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Aktuelle Projekte

MC13.1 Standards of Validity

Standards of Validity in Imperial Chinese Discourses

Koordination: Joachim Kurtz, Martin Hofmann

Zusammenfassung

Dieses Unterprojekt ist eine Erweiterung des Cluster-Forschungsprojektes D15 „Making Powerful Arguments“. Zusätzlich zu den dort behandelten Themenfeldern sollen hier Formen dialogischer Argumentation in Diskursen der chinesischen Kaiserzeit untersucht werden. Ein umfangreiches Archiv dieser Praktiken ist in den sogenannten „Frage-und-Antwort-Texten“ enthalten, die bei der Propagierung und Domestizierung nicht-chinesischer und nicht-orthodoxer Ideen eine wichtige Rolle spielten. In ihrer langen Geschichte unter verschiedenen Namen bekannt, wurden inszenierte Dialoge und Debatten in Frage-und-Antwort-Form beim Kampf verschiedener Denkrichtungen um kaiserliche Protektion  oder andere Unterstützung strategisch eingesetzt. Mittels Gegenüberstellung buddhistischer, daoistischer, konfuzianischer und europäischer Ideen innerhalb eines dialogischen Rahmens wurde die Überlegenheit der Argumente (und damit des Glaubens und der Ideologie) gezeigt.  Besonders drei Perioden, in denen Frage-und-Antwort-Texte eine besonders wichtige Rolle spielten, sollen genauer betrachtet werden: Die chinesische Auseinandersetzung mit dem Buddhismus,  neokonfuzianische Neuinterpretationen der Klassiker und die Adaption europäischer Ideen. Die Studien innerhalb dieses Projekts versuchen, die impliziten Kriterien aufzudecken, nach denen Wahrheitansprüche in chinesischen Dialogen bewertet wurden.

Teil der interdisziplinären Forschungsgruppe MC13 Practices of Argumentation.

MC4.3 Paratexts

Paratexts in Late Imperial Chinese Book Culture

Koordination: Joachim Kurtz

Zusammenfassung

Paratexte wie Buchumschläge, Vorworte, Nachworte und Kolophone sowie Siegel, Notizen, Illustrationen etc. sind ein unverzichtbarer Teil der öffentlichen und privaten Geschichte jedes Buches. Laut G. Genette, der den Begriff prägte, sind es erst Paratexte, die aus einem Text ein Buch machen:  Grenzzonen der Interpretation, mit deren Hilfe Autoren, Herausgeber und Andere den Zugang des Lesers zum Haupttext steuern können. Die Buchkultur im China der späten Kaiserzeit war ein ungewöhnlich fruchtbarer Boden für das Entstehen von einrahmenden Paratexten. Paratexte, in beinahe jedem Buch zu finden, das in der Ming- und Qing-Zeit veröffentlicht wurde, dienten als Plattform für kommerzielle, epistemologische und ideologische Verhandlungen zwischen Autor, Herausgeber und Leser.  Dieses Unterprojekt will die komplexe paratextuelle Landschaft der chinesischen Buchkultur der späten Kaiserzeit rekonstruieren und das Genre der Paratexte als globales Phänomen neu definieren.

Teil der interdisziplinären Forschungsgruppe MC4 Frames.

MC5.4 Indigenous Concepts

The Global Career of "Indigenous Concepts"

Koordination: Joachim Kurtz, Dhruv Raina

Zusammenfassung

Appelle, „indigene Konzepte“ in den globalen Diskurs miteinzubeziehen, treten in den letzten Jahrzehnten mit zunehmender Dringlichkeit und Häufigkeit auf. Besorgte Forscher in westlichen und nicht-westlichen Ländern haben, als Reaktion auf die reale, wenn auch zuweilen überzeichnete, diskursive Vormachtstellung Euro-Amerikas und der von ihnen geprägten Begrifflichkeiten zur Beschreibung ihrer eigenen Erfahrungen , wiederholt eine Erweiterung des Wortschatzes internationaler Konzepte gefordert. Trotz seines bedenklichen Rufes spielte das Konzept eine wichtige Rolle dabei, die Plausibilität existierender globaler Narrativen in Frage zu stellen, deren Weiterbestehen heute davon abhängt, das vielgestaltige Indigene ins Globale miteinzubeziehen. Aber an welchem Punkt, theoretisch und geschichtlich, fing das Indigene an, sich geltend zu machen und eine Revision der Gesellschaftstheorie zu erzwingen, indem es auf seiner Miteinbeziehung ins Globale als Bedingung für jede robuste Theorie oder Geschichte des Globalen beharrte? Wenn, warum und wie erlangte es in den westlichen und nicht-westlichen diskursiven Foren Bedeutung, und welche Hoffnungen und Erwartungen knüpfen die eifrigsten Verfechter daran? Wie wird, zuletzt, das Postulat der radikalen Andersartigkeit des Lokalen, das dieses Konzept impliziert, innerhalb und außerhalb Euro-Amerikas problematisiert und instrumentalisiert?

Teil der interdisziplinären Forschungsgruppe MC5 Global Concepts.

Die WSC-Datenbanken

Wissenschaftssprache Chinesisch

Webseite: http://wsc.uni-hd.de/

Bibliographische Datenbank: http://wsc.uni-hd.de/bib

Terminologische Datenbank (alte Version): http://mcst.uni-hd.de/

Überblick über die WSC-Datenbanken:  Strukturdiagramm.

Die WSC-Datenbanken enthalten Daten über 130‘000 lexikalische Elemente, mehr als 6‘500 Primär- und 2‘000 Sekundärtexte, einschließlich rund 800 chinesischer Zeitschriften aus der späten Kaiserzeit, sowie biographische Information zu ca. 2‘300 Autoren und Übersetzern.

Mit der überarbeiteten eXist-Oberfläche können Nutzer die Datenbank nach einem Stichwort oder Wissensgebiet, einem übersetzten Werk oder Originaltext sowie einem bestimmten Autor oder Übersetzer durchsuchen. Sie werden außerdem auf andere Werke oder Übersetzungen zum selben Thema, aus derselben Zeit oder desselben Urhebers hingewiesen.

Die Daten sind so angeordnet, dass die geplante Integration der bisher noch nicht revidierten bibliographischen und terminologischen Daten aus den internen WSC-Datenbank-Dateien einfacher integriert werden können. Einmal fertiggestellt, wird es ein unverzichtbares Hilfsmittel für Forscher sein, die sich mit der Verbreitung neuen Wissens im China des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert beschäftigen.

Vergangene Projekte

D15 Making Powerful Arguments

Making Powerful Arguments in Late Imperial China: Shifting Standards of Validity in Transcultural Perspective

Koordination: Martin Hofmann, Joachim Kurtz

Zusammenfassung

Ziel des Projekts ist es, eine lange übersehene Lücke in der globalen Geschichte von Wahrheit und Rationalität zu schließen. Durch exemplarische Analysen von Texten unterschiedlicher Genres, die den gelehrten Diskurs im spätkaiserzeitlichen China prägten, möchte das Vorhaben die Grundlagen für eine Geschichte argumentativer Praktiken in einer der reichsten Textkulturen außerhalb Europas erarbeiten. Im Gegensatz zu bestehenden Studien, die sich - bisher weitgehend erfolglos - auf die Wiederentdeckung expliziter chinesischer Theorien der Argumentation konzentrierten, rekonstruiert dieses Projekt die oft impliziten Maßstäbe von Gültigkeit, die in konkreten Beispielen der Beweisführung wirksam geworden sind. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei zunächst Fallstudien in fünf Bereichen, die von besonderem Interesse für den kaiserlichen Staat in China waren: Bildung, Recht, kanonische Exegese, Historiografie und Naturkunde. In einem zweiten Schritt soll der Frage nachgegangen werden, wie sich diese Argumentationspraktiken und die in ihnen verkörperten Maßstäbe von Gültigkeit im Zuge der Begegnung mit europäischen Formen diskursiver Rationalität verändert haben.

C11 Medicine and Religion

Medicine and Religion in Premodern East Asia

Koordination: Harald Fuess, Joachim Kurtz

Zusammenfassung

Das Projekt “Medicine and Religion” hat sich die gründliche Untersuchung sich wandelnder Paradigmen und asymmetrischer kultureller Ströme im Bereich des wissenschaftlichen und religiösen Diskurses über den menschlichen Körper, Heilung, Geburt und Sterblichkeit zum Ziel gesetzt. Vor dem Hintergrund vormoderner asiatischer Kulturen sollen Fallstudien zusammengetragen werden, die über die konzeptuelle Verflechtung des menschlichen Körpers mit größeren konzeptuellen Netzwerken des Wissens über Medizin und Heilung auf der einen, und mit den religiösen Traditionen Ostasiens zum anderen Seite Aufschluss geben. Konkurrierende Diskurse, wissenschaftliche Entdeckungen und die Entwicklung neuer Technologien stellten die etablierten epistemologischen Ordnungen immer wieder in Frage. Dieses Projekt will die umfangreiche Berührungsfläche zwischen diesen Kräften untersuchen, die Wissenssysteme über den Körper abwechselnd diskutiert und definiert haben. Es wird eine Vielzahl kleinerer Fallstudien miteinbeziehen, die die asymmetrischen kulturellen Ströme nicht nur zwischen verschiedenen ostasiatischen Kulturen, sondern auch zwischen Ostasien und dem Rest der Welt sichtbar machen. Zusätzlich zum Hauptthema der Medizin und Religion wird sich das Projekt auf wichtige Fragen in den Bereichen Politik, Bevölkerung, Gesundheit, Umwelt und Geschlecht konzentrieren. Im Ganzen wird jede Teilstudie wertvolle Hinweise darauf liefern, wie Auffassungen der menschlichen Erfahrung (und Konzepte seiner Endlichkeit) von Wandel, Austausch oder Verknöcherung religiöser und wissenschaftlicher Diskurse abhängen. Projektdauer: 2010-12.

HRA 5 Modern Chinese Scientific Terminologies

The distribution of Western Knowledge in Late Imperial China

Koordination: Joachim Kurtz, Jens Østergaard Petersen, Kaja Müller-Wang, Iwo Amelung

Zusammenfassung

Das Ziel des WSC-Projektes (Wissenschaftssprache Chinesisch) ist es, die Verbreitung und Veränderung des Euro-Amerikanischen Wissens im China der späten Kaiserzeit (ca. 1600-1911) durch die Rekonstruktion der chinesischen Wissenschaftsterminologie zu verstehen, die seit dem frühen 19. Jahrhundert geprägt, verändert, diskutiert und Schritt für Schritt verfeinert wurde. Durch den immensen Umfang der dafür in Frage kommenden Quellen wurde der Rahmen des Projektes vorläufig auf die Disziplinen Philosophie, Logik, Physik, Chemie, Geographie (d.h. „Kenntnisse über fremde Länder“), Politik und Internationales Recht beschränkt. Zusätzlich wird es sich auf die formative Periode des modernen chinesischen Wissenschaftsvokabulars zwischen ca. 1840 und 1930 konzentrieren.

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