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Subprojekt D4

Arbeitstitel: Aspekte von Authentizität: Instandhaltung, Restaurierung und Konservierung historischer, chinesischer Architektur  

Doktorandin: Shaohua Grasmück-Zhang

Denkmalschutz und -pflege als wissenschaftliche Kategorien sind in China Innovationen aus dem 20. Jahrhundert, anhand derer sich kulturelle Aushandlungsprozesse beispielhaft auf theoretischer und praktischer Ebene aufzeigen lassen. Knappe Anleitungen zur Reparatur und Instandhaltung von Gebäuden finden sich zwar bereits in amtlichen, chinesischen Bauhandbüchern, etwa in den „Abhandlungen über Baumethoden“ (Yingzao Fashi營造法式), die Li Jie李誡 gegen Ende des 11. Jahrhunderts formulierte. Auf den Grundsätzen seines Werks sollten Baunormen sodann unter den chinesischen Dynastien der kommenden 1000 Jahre basieren. Doch war es gerade ein westlich geprägtes, archäologisches Interesse an chinesischer Architektur, das die Aufmerksamkeit chinesischer Architekten und Archäologen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schließlich auch auf Aspekte der wissenschaftlichen Denkmalpflege, der Konservierung und Restaurierung architektonischen Erbes in China, lenkte. In Folge eines wachsenden, internationalen Austausches, wurden besonders seit den 1980er Jahren grundlegende, denkmalpflegerische Richtlinien formuliert und von Zeit zu Zeit modifiziert.

Dieses Forschungsvorhaben untersucht die Geschichte wesentlicher Aspekte der Instandhaltung, Restaurierung und Konservierung chinesischer Architektur mit interdisziplinären Methoden, wobei kunsthistorische Ansätze im Vordergrund stehen.
    Zunächst werden handwerkliche Traditionen sowie Konzepte und Praktiken der Instandhaltung in der chinesischen Baugeschichte seit dem 8. Jahrhundert behandelt. Durch die Betrachtung relevanter historischer Texte, etwa des Tang-zeitlichen „Baugesetzes“ (Yingshan ling營繕令) und der Song-zeitlichen „Abhandlungen über Baumethoden“ (Yingzao Fashi營造法式), gilt es zunächst den großen Korpus im klassischen Chinesisch zu identifizieren und zu analysieren, der architektonische Reparaturen und Instandhaltung thematisiert.
Desweiteren stehen die Einführung und Entwicklung der chinesischen Denkmalpflege seit den 1930er Jahren bis heute im Fokus der Arbeit. Damals wurde die „Gesellschaft der chinesischen Architektur“ (Zhongguo Yingzao Xueshe中國營造學社) von jungen chinesischen Architekten gegründet, die im Westen studiert hatten. Diese Institution propagierte die Konservierung und Restaurierung historischer Architektur erstmals unter wissenschaftlichen Aspekten. So zeugen die Schriften der Gesellschaft, die in der Arbeit vorgestellt werden, von der frühen Auseinandersetzung denkmalpflegerischer Fachkenntnisse des Westens mit alten chinesischen Bauweisen. Im Laufe der letzten dreißig Jahre wurde eine chinesische Denkmalpflege etabliert, in deren Richtlinien sich lokale sowie globale Trends ablesen lassen; Begriffe wie „Authentizität“ oder „Integrität“ – Schlüsselwörter im Diskurs um denkmalpflegerische Praktiken im Westen – waren bis dato im Kontext der Instandhaltung chinesischer Architektur gänzlich unbekannt. In den jüngsten Leitsätzen chinesischer Denkmalpflege, wie z.B. den „Richtlinien für die Konservierung von Kulturerbe in China“ (中國文物古跡保護準則) (2000), bedient man sich jedoch Termini wie „originale Beschaffenheit“ (Yuanzhuang 原狀), „originale Lage“ (Yuanzhi原址) oder nicht zuletzt „Authentizität“ (Zhenshi 真實性). Durch die Analyse der verschiedenen Richtlinien in der Geschichte der chinesischen Denkmalpflege werden die Aushandlungsprozesse und zunehmenden Verflechtungen chinesischer und „internationaler“ Konservatoren ermittelt. Welche Folgen diese Entwicklung bisher in der Praxis hatte bzw. hat, lässt sich schließlich am Beispiel von Konservierungs-, und Restaurierungsprojekten in Peking and Xi’an aus jüngerer Zeit aufzeigen.
  

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