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Zwischen Helmut Schmidt und Klimawandel: Mediatisierte Erinnerung an die Sturmflut 1962 in Hamburg

Speaker: Corinna Lüthje (Hamburg)

21.05.2012, 6 pm to 8 pm

Darmstadt: Technische Universität, Robert Piloty-Gebäude, Hochschulstraße 10, Raum S2-02 C 205.

Am 16. Februar 1962 wurde die norddeutsche Metropole Hamburg von einer Sturmflut mit katastrophalen Auswirkungen getroffen. Dieses Ereignis forderte 315 Todesopfer. 20.000 Menschen mussten evakuiert werden. Der Gesamtschaden betrug 3 Milliarden DM. Die Sturmflut von 1962 war kein Einzelereignis in Hamburg, vielmehr gibt es alle Jahre wieder eine Saison mit mehr oder minder schweren Sturmfluten; die letzte Sturmflut in Hamburg mit Deichbrüchen lag jedoch über 100 Jahre zurück.

Sturmfluten sind der regionale Geohazard der deutschen Nordseeküstenregion, zu der auch Hamburg gehört. Ein regionaler Geohazard ist eine durch physisch-geographische Ereignisse und Umstände gegebene Bedrohung der Gesellschaft in einer bestimmten Region. Die mit dem Geohazard verbundenen Ereignisse lassen sich jedoch nicht exakt nach Zeitpunkt, Stärke und Auswirkung vorhersagen. Sie sind außergewöhnliche Ereignisse, die überraschend eintreffen, mit deren Eintreffen aber aufgrund der kollektiven Erfahrung gerechnet werden kann. Für die Wahrnehmung des Hazards ist das soziale Gedächtnis an ein traumatisches Schlüsselereignis verantwortlich. Jedoch verschwindet das soziale Gedächtnis, wenn Extremereignisse in zu großen Abständen eintreten. Christian Pfister nennt dieses Phänomen eine "disaster gap". Um mit dieser permanenten Gefahr umgehen zu können, ist es wichtig, sich an das traumatische Schlüsselereignis, die Katastrophe zu erinnern. Für die gesellschaftliche Erinnerung an traumatische Ereignisse sind zu einem großen Teil die Medien verantwortlich: Tagesaktuelle Medien sind "Erinnerungs- und Gedächtnisgeneratoren", jedoch ist die mediale Erinnerung nicht unbedingt mit den historischen Ereignissen übereinstimmend. Sie verändert sich. Um das Ereignis werden Mythen gesponnen. Heldenfiguren, wie der damalige Hamburger Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt, tragen ebenso zu dieser "großen Erzählung" bei wie neue Begründungszusammenhänge der Naturgefahr, wie der seit Mitte der 1980er Jahre aufkommende Klimawandeldiskurs.

Warum zu welchen Anlässen und wie wird über die Sturmflut von 1962 noch heute berichtet? Wie hat sich die Erinnerung in der medialen Berichterstattung verändert? Und welche Auswirkungen hat die journalistische Erinnerungsarbeit auf die Erinnerung der Hamburger und ihre Wahrnehmung der Sturmflutgefahr?

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