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Dissertationsprojekte

Subalterne Diplomaten

 Benjamin Auberer

Die Diplomatiegeschichte beschäftigt sich beinahe ausschließlich mit den Hierarchien staatlicher Repräsentation. Ausgehend von den bisher nicht beachteten Personalakten von Personen, die für den Völkerbund arbeiteten, untersucht dieses Projekt die beruflichen Laufbahnen von Beschäftigten, welche auf den untergeordneten Rängen der ersten wirklich globalen politischen internationalen Organisation standen. Wie kamen diese Personen zu einer Arbeit in internationalen Kontexten? Bestand eine Form globaler Politik von unten, oder war die Diplomatie immer auf eine kleine Elite beschränkt (selbst nach dem Ersten Weltkrieg, als ein neues Verständnis von Diplomatie als ein der Öffentlichkeit zugänglicher Bereich entstand)? Was geschah mit diesen Völkerbund-Mitarbeitern nach dem Krieg? Wechselten sie vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen? Oder stellten sie ihre Erfahrungen in der Weltpolitik in die Dienste der neu gegründeten Staaten?

"Contested Internationalism". The Boy Scouts International Bureau and the Resurgence of Nationalism, 1930–1942


Timo Holste

Mein Dissertationsprojekt verschränkt die Geschichte des liberalen Internationalismus am Beispiel des Boy Scouts International Bureau (BSIB), das sich während der 1920er und 1930er Jahre als „Junior League of Nations“ inszenierte, mit seiner „Dark Side“, der transnationalen Dimension des Faschismus. Wie wandelten sich die Diskurse über Internationalismus während der 1930er und 1940er und wie reagierten die transnationalen Gremien des BSIB auf nationalistische Tendenzen innerhalb der Jugendbewegung und Attacken der faschistischen Jugendorganisationen? Während die 1920er Jahre für das BSIB eine Phase des Wachstums darstellten, sah sich die internationale Organisation während der zwei folgenden Jahrzehnte sowohl von außen als auch von innen herausgefordert: Diskussionen um die weitere Mitgliedschaft der rumänischen und estnischen Staatsjugendorganisationen lösten in den Gremien des BSIB Debatten über seine Grundsätze aus, weil sie neben dem Selbstverständnis der Weltpfadfinderbewegung als freiwillig und demokratisch auch ihren weltweiten Repräsentationsanspruch anfochten. Nachdem Versuche der Hitler Jugend, an den globalen Netzwerken des BSIB teilzuhaben, wiederholt gescheitert waren, begann die Reichsjugendführung bilaterale Kontakte zwischen Staatsjugendorganisationen als moderne Alternative zum Internationalismus der Weltpfadfinderbewegung zu propagieren. Diese Kampagnen kulminierten 1942 in der Gründung des „Europäischen Jugendverbandes“, einer eigenen internationalen Organisation, deren Ziel es war, in Kontinentaleuropa an die Stelle des BSIB zu treten und ein „neues Europa“ auf der Ebene der Jugendorganisationen zu errichten.

Die „Neue Türkei“ in der Internationalen Ordnung 1919-30er: Globalhistorische Dimensionen einer Nationalstaatsbildung

Carolin Liebisch

Die Beschlüsse der Pariser Friedenskonferenz 1919 leiteten eine globale politische Neuordnung ein, auf internationaler und auf regionaler Ebene. Mit der Gründung des Völkerbunds in Genf wurde Internationalismus zum Kernprinzip der zukünftigen globalen Ordnung erklärt; gleichzeitig legitimierte der Völkerbund die imperiale Aufteilung des Osmanischen Reiches, dessen Eliten die Türkei aus dem neuen internationalen System ausgeschlossen sahen. Für die türkische Nationalbewegung und späteren Republikeliten blieb der Völkerbund deshalb eine ambivalente Organisation: vermeintliches Machtinstrument europäischer Großmächte einerseits, andererseits aber – wie diese Dissertationsarbeit offenlegt – ein wesentlicher Bezugspunkt für das eigene Nationalisierungs- und Modernisierungsprojekt, galt der Völkerbund doch als Inbegriff westlicher Zivilisation und Moderne. Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis der Eliten der „Neuen Türkei“ zum Genfer Internationalismus vor dem Hintergrund westlicher Hegemonie und Machtasymmetrie im internationalen Gefüge der Zwischenkriegszeit. Untersucht werden sowohl ideologische Konvergenzen zwischen türkischem Nationalismus und Internationalismus als auch deren praktische Implikationen, das heißt die Beziehungen türkischer Akteure zum Völkerbund vor und nach dem offiziellen Beitritt der Türkei 1932. Im Rahmen eines globalgeschichtlichen Ansatzes erfolgt die Neuperspektivierung einer nationalen Geschichte im Kontext Internationaler Organisation. 

 

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