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Ringvorlesung: "Fieber, Medizin und Umweltängste in der Atlantischen Welt um 1800"

16. Jan 2020 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Veranstalter: Heidelberg Centre for Transcultural Studies, Hochschule für Jüdische Studien
CATS Gebäude 4010, Raum 010.01.05

Speaker: Prof. Dr. Stefanie Gänger, Zentrum für Europäische Geschichts und Kulturwissenschaften (ZEGK), Heidelberg University

The lecture will be in German.

Abstract:

Krankheit war während der Jahrzehnte um 1800 im Wesentlichen ein geographisches Phänomen; „Umwelt“ kam dabei als Krankheitsursache große Bedeutung zu. Insbesondere „Fieberkrankheiten“ schrieb man üblicherweise einer bedrohlichen Natur zu: Stehenden, brackigen Gewässern, Orten mit dicht gedrängten Menschenmassen oder den tropischen, „heißen“ Klimata, denen Kaufleute, Plantagenbesitzer und „Goldsucher“ in einer „erste[n] Epo­che globalen Imperialismus“ (C. Bayly) zunehmend ausgesetzt waren. Eine Vielzahl von Gegenden – die Pontinischen Sümpfe etwa, die „westindischen“ Inseln oder die Küstenebenen des finnischen Schärenmeeres – waren nach zeitgenössischem Verständnis ungesunde, „fiebrige“ Orte, an denen krankmachende Luft – „Miasmen“ – beständig in den, im zeitgenössischen Verständnis, durchlässigen, „porösen“ Körper zu sickern drohte.

Der Vortrag befasst sich mit der Geschichte medizinischer Umweltängste in der Atlantischen Welt der „Sattelzeit“ sowie den Versuchen der Zeitgenossen, sich ihrer durch eine Litanei von Praktiken – (Selbst-) Medikation, Umsiedlung in höhere Lagen oder Entwässerungsgräben – zu erwehren. Der Vortrag reflektiert auch die Tatsache, dass die Sattelzeit die vorerst letzte Epoche war, in der in der westlichen Welt die Angst vor der Umwelt noch im Verhältnis zur Sorge um die Umwelt überwiegend war – der Anbeginn des  Anthropozändiskurses und einer Moderne, in der der Menschheit zunehmend die Rolle des Feindes, und der Natur die des Bedrohten, zukommen sollte.

Die Ringvorlesung:

In einer Zeit, die von gesellschaftlichen und zwischenstaatlichen Polarisierungen geprägt ist, hat das Thema der Feindschaft erneut beunruhigende Relevanz gewonnen. Die Ringvorlesung „Ambivalente Feindschaft“ bringt daher unterschiedliche Perspektiven aus sozial-, geistes- und kulturwissenschaftlichen Ansätzen zusammen, die sich mit der Konstruktion, Erfahrung und Tradierung von Feindschaftsbeziehungen in Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Spannungsbeziehung zwischen Anziehung und Ablehnung gelegt: In der Wissensproduktion, in unterschiedlichen Repräsentationsformen und in der unmittelbaren Begegnung sind Gegnerschaft, heimliche Bewunderung und gegenseitiges Lernen häufig eng miteinander verknüpft.

Die Vorträge thematisieren unter anderem folgende Fragen: Wie kann die Sprache und Mentalität des Feindes studiert werden? Wie sind Feindschaft und Begehren verknüpft? Wie kann kulturelle Gegnerschaft lebensweltlichen Ausdruck finden? Was sind die psychologischen Erklärungsmodelle für Feindschaft? Wie wird Feindschaft politisch und ästhetisch inszeniert? Gibt es überzeitliche Muster von Feindschaft, etwa im Falle von Piraterie? Kann es Feindschaftsbeziehungen zwischen Mensch und Natur geben? Wie wird Feindschaft versprachlicht - und wie wird Feindschaft als  Konfrontation von "Ost" und "West" verstanden?

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